Thilo Sarrazin
Aus WikiMANNia
Hauptseite → Personen-Portal → Thilo Sarrazin
Thilo Sarrazin (* 1945) ist ein deutscher Volkswirt und Autor. Er hat das Amt eines Senators von Berlin bekleidet.
Von 1975 bis 2010 war er im öffentlichen Dienst tätig. Er war zudem von 2000 bis 2001 in leitender Position bei der Deutschen Bahn AG beschäftigt. Von 2002 bis April 2009 war das SPD-Mitglied Sarrazin Finanzsenator im Berliner Senat und anschließend bis Ende September 2010 Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank. Sarrazin stieß durch provokant formulierte und kontroverse Thesen zur Sozial- und Bevölkerungspolitik verschiedene gesellschaftliche Diskussionen an.
Mit Deutschland schafft sich ab schrieb Sarrazin das meistverkaufte Politik-Sachbuch eines deutschsprachigen Autors des Jahrzehnts, welches große Kontroversen hervorrief.
Im Juni 2010 löste Sarrazin bei einer Veranstaltung der Arbeitskreise Schule-Wirtschaft der Unternehmerverbände Südhessen mit seiner These Widerspruch aus, dass der gesamtdeutsche Intelligenzdurchschnitt durch die Zuwanderung schlecht ausgebildeter Migranten sinke.[1] Seine Thesen wurden von Bundeskanzlerin Angela Merkel[2] und dem SPD-Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel kritisiert, der Sarrazin den Austritt aus der SPD nahelegte.[3] In einem Interview mit der "Zeit" bemerkte Sarrazin:
Zitat: «Deutschland wird völlig unabhängig von der Migration deshalb durchschnittlich dümmer, weil die Geburtenverteilung in unserem Land schief ist. Intelligenz und Schichtzugehörigkeit korrelieren stark positiv.»[4]
Zitat: «Der Diskurs mit Sarrazin wurde abgebrochen und durch einen Diskurs über Sarrazin, im wesentlichen bestehend aus pejorativen Halbsätzen, ersetzt. Sarrazin wird immer noch häufig erwähnt, aber nur, um einen in Wahrheit nicht existierenden Konsens zu suggerieren, wonach seine Thesen "rassistisch", "unwissenschaftlich" und so weiter seien.» - Manfred Kleine-Hartlage[5]
Zitat: «Gauck lässt sich nicht in Schubladen packen, und das schätze ich auch an ihm. Es gibt einen Reflex bei ihm, der aus seiner DDR-Biografie kommt: Wenn jemand kritisiert wird, stellt er sich sofort an seine Seite. Das ist ein sehr sympathischer Reflex, aber einer, der nicht ungefährlich ist. Aus dieser Haltung heraus hat er Sarrazin "mutig" genannt - obwohl er sich von Sarrazins Verleumdungen der Muslime und den noch schlimmeren Vererbungsthesen klar distanziert hat.» - Sigmar Gabriel[6]
Zitat: «Zur Sache stelle ich fest, dass mein Buch "Deutschland schafft sich ab" nachweislich keine einzige verleumderische Aussage zu Muslimen oder zum Islam enthält. Soweit es sich zu Fragen der Vererbung äußert, reflektiert es den Stand der Wissenschaft. Das hat jüngst das Buch von Dieter E. Zimmer "Ist Intelligenz erblich?"[7] erneut bestätigt.
Zum Verfahren stelle ich fest, dass das Parteiordnungsverfahren am 21. April 2011 mit einer vollständigen Rücknahme aller Vorwürfe gegen mich endete. Sigmar Gabriel ließ mir noch am selben Abend durch einen Dritten die Bitte und das Angebot übermitteln, weitere öffentliche Auseinandersetzungen nicht zu führen.
Ich habe mich daran gehalten, Sigmar Gabriel aber nicht. In der Presse der letzten Monate hat er sich wiederholt unwahrhaftig und verleumderisch geäußert.»[8]
- "Weder Intelligenz noch irgendeine Charaktereigenschaft sind genetisch vorgezeichnet, Biologie spielt im Leben des Menschen keine Rolle",
fasst Dieter E. Zimmer die Überzeugung "der SPD-Spitze" pointiert zusammen und wettert gegen anonym bleibende "Kulturisten", die hinter naturwissenschaftlichen Erkenntnissen immer gleich "Rassismus" wittern.[9]
Werke
- Deutschland schafft sich ab. Wie wir unser Land aufs Spiel setzen. Deutsche Verlags-Anstalt, August 2010, ISBN 3-421-04430-9
Einzelnachweise
- ↑ Einwanderer-Schelte: Sarrazin erklärt die Verdummung der Deutschen, Spiegel Online vom 10. Juni 2010
- ↑ Merkel wirft Sarrazin Verdummung vor, Süddeutsche Zeitung vom 12. Juni 2010
- ↑ Äußerungen über Ausländer: Gabriel legt Sarrazin SPD-Austritt nahe, Der Spiegel am 25. August 2010
- ↑ Zeit Online vom 26. August 2010, Interview von Özlem Topcu und Bernd Ulrich
- ↑ Manfred Kleine-Hartlage: Ein Jahr nach Sarrazin. Besichtigung des Schlachtfeldes, Sezession 43 / 16. August 2011
- ↑ Sigmar Gabriel über Joachim Gauck und Thilo Sarrazin im Interview zu "Die Welt": Sigmar Gabriel: "Philipp Rösler hat das gut gemacht", Die Welt am 26. Februar 2012
- ↑ Dieter E. Zimmer: "Ist Intelligenz erblich?", FAZ am 20. Januar 2012;
Doris Anselm: Dieter E. Zimmer: "Ist Intelligenz erblich? Eine Klarstellung", Deutschlandradio am 12. Februar 2012 - ↑ Sarrazin wehrt sich gegen SPD-Chef Gabriel, Die Welt am 26. Februar 2012 (Sarazins Brief an die Mitglieder des Pateivorstandes der SPD)
- ↑ Arno Orzessek: "Ist Intelligenz erblich? Eine Klarstellung" (Buchvorstellung), Deutschlandradio am 16. Januar 2012
Weblinks
- Wikipedia führt einen Artikel über Thilo Sarrazin
- Wikipedia führt einen Artikel über Deutschland schafft sich ab
- Peter Mersch: Irrweg Gleichheitsfeminismus. De-Evolution durch gesellschaftsweite Angleichung der Geschlechterrollen., 2. April 2010
- Peter Mersch: Der Fall Thilo Sarrazin. Eine Betrachtung aus Sicht der Systemischen Evolutionstheorie., 7. September 2010
- Streitgespräch bei Peter Hahne: Sarrazins mediale Siege werden immer unheimlicher, Die Welt am 28. August 2011
- Matthias Matussek: Sarrazin-Debatte: Die Gegenwut, Spiegel am 6. September 2010
- Gunnar Heinsohn: Naika Foroutan und die Kunst des Zählens, FAZ am 9. September 2010, S. 32
- Klaus Rohde: Sarrazin und die Folgen
- Zettels Raum: Sarrazin auf dem Prüfstand der Wissenschaft
- Zettels Raum: Artikel zu Thilo Sarrazin
