Hofnarr

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Der Hofnarr hatte im Mittelalter die Aufgabe und das Privileg, dem Herrscher als Einziger die Wahrheit sagen zu dürfen.

Inhaltsverzeichnis

Mittelalter

Am Hofstaat und an Fürstenhöfen galt für die dort tätigen Hofnarren die Narrenfreiheit, die es ihnen ermöglichte, ungestraft Kritik an den bestehenden Verhältnissen zu üben. Auch die Parodierung von Adeligen war den Hofnarren erlaubt. Das Hofnarrentum war eine ideengeschichtlich klar begründete soziale Institution zulässiger Kritik. Ihre gesonderte Stellung, und somit keine Bindung an gesellschaftliche Normen, gab dem Narren die Möglichkeit auf einen besonders großen Handlungsfreiraum - da alles was er sagte, aufgrund seiner "Narrheit" nicht ernst genommen wurde. Darauf begründet sich der heute noch viel verwendete Begriff der "Narrenfreiheit". Manche Städte unterhielten so genannte Stadtnarren, die zur allgemeinen Belustigung Späße treiben durften. Das bekannteste Beispiel ist möglicherweise Till Eulenspiegel.

Narrentum heute

Auch heute gibt es ein institutionalisiertes Narrentum. Dazu gehört beispielsweise die Fastnacht oder der Karneval. Auch das Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg gehört dazu, bei dem in einem textlich-kabarettistischen Teil ("Fastenpredigt") und später in einem Singspiel den mehrheitlich anwesenden Landes- sowie Bundespolitikern äußerst kritisch der Spiegel vorgehalten wird, was diese mit einem Lächeln auf den Lippen über sich ergehen lassen.

Auch Kleinkünstler aus dem politischen Kabarett übernehmen heute die Rolle des öffentlichen Narren. Die ZDF-Sendung Neues aus der Anstalt deutet schon in der Namensgebung an, dass die Darbietungen nicht allzu ernst genommen werden sollen, weil die Darsteller aus der Narrenanstalt stammen. Besonders der Hofnarr der Nation, Georg Schramm, darf auf der Bühne der "öffentlich-rechtlichen Bedürfnisanstalten"[1] heftige Kritik an gesellschaftlichen Zuständen üben. Das gibt dem Zuschauer das erleichternde Gefühl, "endlich hat es einer mal gesagt". Diese Ventilfunktion des Narrentums wird auch in der heutigen Zeit gebraucht.

Auch in den Medien ist es wenigen Konservativen (Jürgen Liminski, Michael Klonovsky, Matthias Matussek) und eigenwilligen Rechtsliberalen (Jan Fleischauer, Henryk M. Broder) unter den deutschen Journalisten gestattet, in den Massenmedien die herrschende Ideologie zu kritisieren, damit eine ganz bestimmte Funktion erfüllen: nämlich die Ausnahme zu sein, die die Regel bestätigt, und einen "Pluralismus" zu fingieren, dessen tatsächliche Absenz dem Publikum sonst allzu schmerzlich auffiele.

Das wissen sie, und sie hüten sich daher, ihre Rolle als die von Türöffnern misszuverstehen, die wichtigen Themen, Personen und Ideen den Weg in die vielzitierte "Mitte der Gesellschaft" ebnen. Sie übernehmen innerhalb des Mediensystems eine Funktion, die sonst aus besagtem System auswandern würde, und üben eine Art virtueller Opposition, damit es nicht zur Entstehung einer realen kommt. Sie sind deshalb so etwas wie das moderne Äquivalent des mittelalterlichen Hofnarren.[2]

Einzelnachweise

  1. Georg Schramm bei der Verabschiedung von Dieter Hildebrandt aus dem Scheibenwischer - ARD am 2. Oktober 2003
  2. Lorenz Jägers Selbstentblößung, Korrektheiten am 8. Oktober 2011

Siehe auch

Weblinks

  • 12. Rang ergab am 30.11.2011 die Google-Suche nach "Hofnarr" für diesen Artikel.
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