Fall Luca

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Bernhard Haaser vor dem Landesgericht mit dem Bild seines verstorbenen Sohnes Luca

"Fall Luca" ist die zusammenfassende Bezeichnung für eine Menschenrechtsverletzung durch Österreich an dem in Kufstein/Tirol lebenden österreichischen Staatsbürger Bernhard Haaser und seinem Sohn Luca, der am 3. November 2007 infolge schwerster Misshandlungen durch den Lebensgefährten der Mutter verstarb. Obwohl der Vater mehrmals den Missbrauch bei den staatlichen Stellen meldete, sind diese untätig geblieben.

Lucas verstarb als Säugling im Alter von 17 Monaten an den schweren Misshandlungen. Über die 24-jährige Mutter verhängte Richter Andreas Mair eine unbedingte Freiheitsstrafe von einem Jahr.[1] Die angeklagte Sozialarbeiterin wurde von jeder Schuld freigesprochen. Der Strafsenat ist zu dem Schluss gekommen, dass die Sozialarbeiterin keine objektive Sorgfaltswidrigkeit gesetzt habe.[2][3] Die Mutter plädierte auf "nicht schuldig" und die Sozialarbeiterin "würde wieder so handeln".[4]

Bernhard Haaser gründete nach dem gewaltsamen Tod seines Sohnes den "L.U.C.A. Kinderschutzverein" am 27. Dezember 2007 und prangerte das Versagen staatlicher Stellen an. Im März 2011 wurde die inzwischen siebenjährige Schwester Emina vom der Jugendwohlfahrt aus dem Haus des Vaters geholt mit der Begründung "dringende Verdacht auf eine Gefährdungssituation". Vater Haaser sieht die Vorwürfe als ein Komplott, mit dem er wegen seiner Kritik mundtot gemacht werden soll. Die inzwischen 11jährige Tochter Adriana lebt noch beim Vater. Die Behörden drohen dem Vater, ihm auch seine zweite Tochter abzunehmen.[5] Er soll seine jüngere Tochter Emina (7) geschlagen haben, steht in der anonymen Anzeige, auf die das Jugendamt aber sofort mit "Gefahr in Verzug" reagiert und Emina nur zwei Tage danach von ihrem Vater abgeholt hat.[6]

Inhaltsverzeichnis

Prozesse

Am 26. September 2008 wurde der Angeklagte nach einem zweitägigen Prozess schuldig gesprochen. Das Urteil lautet auf lebenslange Freiheitsstrafe plus Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Der Angeklagte legte Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung ein.[7]

Am 4. Mai 2009 begann der Prozess gegen die Kindesmutter und die verantwortliche Sozialarbeiterin im Landesgericht für Strafsachen in Innsbruck, der am 11., 18. und 25. Mai 2009 fortgesetzt wurde.

Am 21. Mai 2009 wurde die Nichtigkeitsbeschwerde gegen den mutmaßlichen Mörder vom OGH zurückgewiesen, am 13. Juli 2009 das Urteil in der Berufungsverhandlung am Oberlandesgericht in Wien bestätigt. Am 25. Mai 2009 wurden beide Angeklagte in Innsbruck im erstgerichtlichen Urteil schuldig gesprochen.

Beide Strafverteidiger haben das Rechtsmittel der Berufung wegen Nichtigkeit, Schuld und Strafe eingelegt. Die Berufungsverhandlung am Oberlandesgericht Innsbruck fand am 8. Juli 2010 statt. Die Mitarbeiterin des Jugendamtes, wurde von aller Schuld freigesprochen; die Strafe der Mutter, ein Jahr unbedingte Haft, wurde bestätigt.[8]

Auswirkungen

Der Fall Luca sorgte für großes Aufsehen, die österreichischen Medien berichteten ausführlich. Auch kam es in Folge dieses Falls im Österreichischem Parlament zu zahlreichen Debatten und Anfragen.[9] Die damals amtierende Familienministerin Andrea Kdolsky sprach sich für eine Reform des Jugendschutzes in Österreich aus.[10] Eine Novelle zum Jugendwohlfahrtsgesetz wurde am 4. Juni 2008 eingebracht[11], womit laut Kdolsky ab 2009 eine von Grund auf reformierte Rahmengesetzgebung zur Verfügung stehe, die den Bundesländern eine bessere Betreuung und Beratung gefährdeter Familien ermögliche[12], so die damalige Familienministerin in einer Presseaussendung.

Zitate

  • Bernhard Haaser: "Ich bin der Staatsfeind Nummer eins und habe mich mit Leuten angelegt, die viel Macht haben." [13]
  • Der Oberstaatsanwalt: "Wir behandeln in dieser Verhandlung keine Systemfrage oder ob die gesamte Institution richtig gehandelt hat. Diese steht nicht auf dem Prüfstand." [2]
  • Der Richter (Andreas Mair): "Die Sozialarbeiterin hätte Maßnahmen zum Schutz des Kindes ergreifen müssen." [14]
  • Die Sozialarbeiterin: "Nach den Fakten, die mir vorgelegen sind, habe ich alles getan und würde wieder so handeln." [4]
  • Norbert Hofer (FPÖ): "Das sind Zustände, die nicht länger tragbar sind. Hier wird offenbar weiterhin versucht, auf engagierte Väter, die der Jugendwohlfahrt lästig sind, Druck auszuüben." [15]
Mord an Luca Elias, BoD 2009

Literatur

Einzelnachweise

  1. Schuldspruch: Lucas Mutter muss ein Jahr hinter Gitter, OE24 am 22. Mai 2009
  2. 2,0 2,1 Fall Luca: Urteil gegen Mutter bestätigt, Oberösterreich-Nachrichten am 8. Juli 2010
  3. Fall Luca - Freispruch für Sozialarbeiterin, Der Standard am 8. Juli 2010
  4. 4,0 4,1 Fall Luca: Sozialarbeiterin "würde wieder so handeln", Die Presse am 4. Mai 2009
  5. Hofer: Neue Dramatik im Fall Haaser - Lucas Vater soll auch zweite Tochter weggenommen werden
    Jugendamt will Vater von Luca nun auch zweite Tochter wegnehmen, Oberösterreich-Nachrichten am 8. März 2011
  6. Vorwürfe: Hier weint Lucas Vater, OE24 am 9. März 2011
  7. News Networld Internetservice GmbH: Schuldspruch im Fall Luca, News.at am 26. September 2008
  8. OÖ. Online GmbH & Co.KG: Fall Luca: Urteil gegen Mutter bestätigt, Nachrichten.at am 24. Oktober 2010
  9. Republik Österreich: Parlamentskorrespondenz Nr. 973 vom 6. Dezember 2007, Parlament.gv.at am 6. Dezember 2007
  10. Kindesmisshandlungen, ORF am 23. November 2007
  11. Republik Österreich: 122/ME XXIII. GP – Ministerialentwurf – Gesetzestext, parlament.gv.at am 4. Juni 2008
  12. APA-OTS Originaltext-Service GmbH: Kdolsky: Schutz von Kindern vor Misshandlung und Vernachlässigung hat oberste Priorität, Ots.at am 23. Dezember 2007
  13. Luca-Vater Haaser: "Bin Staatsfeind Nummer eins", Vienna Online am 9. März 2011
    Luca-Vater Haaser: "Bin Staatsfeind Nummer eins", MSN am 9. März 2011
  14. Der Fall des kleinen Luca, Leonie Wichmann am 3. November 2010
  15. Jugendwohlfahrt nimmt Lucas Vater die Tochter ab, Die Presse am 3. März 2011
  16. Buchbesprechung: Mord an Luca Elias

Weblinks

Siehe auch

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