Frauen beim Schach
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Frauen beim Schach beschäftigt sich mit der Frage, warum auch beim Schach Frauen leistungsmäßig mit Männern nicht mithalten.
Damenschach wurde 2000 in Frauenschach umbenannt, dies wurde vom Kongreß des Deutschen Schachbundes beschlossen.
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Spielklassen
Die ersten Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Schachspielern werden bei der Einteilung ihrer Spielstärke gemacht. Die FIDE vergibt nach klar definierten Anforderungen folgende Titel auf Lebenszeit: Candidate Master (CM), FIDE-Meister (FM), Internationaler Meister (IM) und Großmeister (GM). Es gibt eigene Titel für Frauen: WCM (Woman Candidate Master), WFM (Woman FIDE Master), WIM (Woman International Master) und WGM (Woman Grand Master). Die Qualifikationskriterien für diese Titel sind gegenüber denen der allgemeinen Klasse reduziert. Nona Gaprindaschwili war die erste Frau, die 1978 den allgemeinen Großmeistertitel erhielt.
Für den Internationalen Meister (IM) wurden von der FIDE wurden als Qualifikationskriterien festgelegt: Man muss in mindestens zwei internationalen Schachturnieren eine vom Spielstärkeniveau (der sogenannten Kategorie) des Turniers abhängige Mindestpunktezahl (die sogenannte IM-Norm) erreichen. Diese IM-Norm entspricht einer Eloleistung von mindestens 2450. Eine weitere Voraussetzung ist eine Wertungszahl (sog. Elo-Zahl) von mindestens 2400 Punkten. Für die Verleihung des Internationalen Meistertitel für Frauen (Abkürzung WIM) gelten um 200 Elopunkte geringere Voraussetzungen.[1]
Für den Titel Internationaler Großmeister (GM) muss in mindestens zwei internationalen Schachturnieren eine vom Spielstärkeniveau (der Durchschnittswert der Wertungszahlen aller Turnierteilnehmer) des Turniers abhängige Mindestpunktezahl (die so genannte Großmeister-Norm) erreicht werden. Diese GM-Norm entspricht einer Eloleistung von mindestens 2600. Zusätzlich vergibt die FIDE seit 1976 auch einen eigenen Großmeistertitel für Frauen (Woman Grand Master, WGM). Die Anforderungen für Frauen sind analog zu denen für Männer, allerdings genau um 200 Elo-Punkte tiefer angesetzt.[2]
Fazit: Einer Frau wird der Titel einer Großmeisterin mit einer Spielstärke verliehen, mit der ein männlicher Schachspieler international keinen Blumentopf gewinnen würde.
Die weltbesten Großmeister im Schach werden auch Super-Großmeister genannt. Es handelt sich dabei nicht um einen offiziellen Titel des Weltschachbundes (FIDE), er wird allerdings seit den 1980er Jahren verwendet, um die Spieler der engeren Weltspitze zu bezeichnen. In der Regel sind damit die Schachspieler mit einer Elo-Zahl von 2700 und höher gemeint. Im Jahr 2010 bestand der Kreis der Super-Großmeister aus 37 Spielern. Die einzige weibliche Spielerin, die 2700er-Grenze erstmals erreichte, war bislang Judit Polgár Anfang 2003. Inzwischen hat sie diese Marke aber wieder unterschritten.[3]
Sonderpreise für Frauen
Bei den meisten Turnieren gibt es Pokale, auf denen "Bestes Mädchen des Turniers" oder "Beste Dame des Turniers" steht. Eine Frau braucht kein Turnier gewinnen, um einen Pokal zu gewinnen. Einen Pokal für den besten Jungen oder den besten Mann gibt es offenbar nicht - fast immer wäre der beste Mann sowieso gleichzeitig der beste Spieler überhaupt.[4]
Organisation des Frauenschachs
Immer wieder ist zu lesen, dass Schachverbände Mühe haben, einen verantwortlichen Funktionär für das "Frauenschach" zu finden. So ist es nicht selten, dass die gefundenen (oder sagen wir besser: überredeten) Funktionäre den Zusatz "kommissarisch" tragen. Man möchte sich nicht den Anschein geben, niemand kümmere sich um das weibliche Geschlecht, und da das Referat "Frauenschach" nun einmal existiert, muss jemand her, der es besetzt. Merkwürdig ist nur, dass sich kaum Frauen finden, die eine solche Funktion übernehmen möchten. Auch finden sich häufig nur wenige Frauen, die an Turnieren teilnehmen möchten, die ausschließlich für Frauen ausgeschrieben sind. Bei näherer Betrachtung ist dies auch logisch und konsequent, denn das weibliche Geschlecht hat nach eigenem Selbstverständnis keinerlei Handicap beim Schachspiel. In der Tat läßt sich auf Anhieb nicht erkennen, aus welchem natürlichen Grunde die Frauen den Männern gegenüber einen Nachteil haben sollten. Im Gegenteil!
Warum Frauen nicht so gut Schach spielen
Genau genommen kommt beim Schach sogar zum Tragen, was man gemeinhin der Frau zu Recht als Stärke zuschreibt; nämlich das so genannte "Multitasking". Eine Frau, so sagt man, könne sich gleichzeitig um mehrere Dinge kümmern. Sie wäre demnach eine ideale Befehlshaberin über 32 Figuren, die es zu koordinieren gilt. Genau hier liegt das Problem eines gewöhnlichen männlichen Patzers. Er kümmert sich eben nicht gleichermaßen gut um alle Figuren und um alle Felder auf dem Brett.
Elisabeth Pähtz (20jährige Großmeisterin und U 18-Weltmeisterin) sagte dazu in einem Interview sinngemäß, es sei nun einmal offensichtlich, dass Männer die besseren Schachspieler seien und sucht dafür eine Erklärung. Das männliche Hirn[5], sagt sie, könne möglicherweise logischer denken, aber gemein machen will sie sich mit dieser Auffassung auch nicht so richtig. Schließlich sagt sie, ab einem gewissen Alter dominiere bei der Frau der Gedanke an Familie und Kinder, um dann sogleich festzustellen, die Frauen seien zwar schlechter aber kämpferischer.
Auch wenn es sein mag, dass eine Frau irgendwann einmal der Familie die absolute Priorität einräumt, doch ist das keine zufriedenstellende Antwort darauf, warum es noch keine 17jährige Großmeisterinnen gegeben hat. Und ist es denn tatsächlich so, dass Frauen mit Kindern weniger leistungsfähig sind? Die wohl bislang plausibelste Erklärung zum Thema gibt es von Judith Polgar. Die derzeit stärkste Schachspielerin der Welt hat nicht einmal versucht, Frauenweltmeisterin zu werden. Im Interview mit Hartmuth Metz für die TAZ im Jahre 2002 sagte sie, das vergleichsweise schlechte Niveau des Frauenschachs habe gesellschaftliche Ursachen. Es gelte eben noch immer als nicht normal, dass Frauen Schachprofis werden. In besagtem Interview geht sie hart mit einigen Männern ins Gericht und natürlich kam es dieser klugen Frau niemals in den Sinn, sich mit einem geringeren Ziel als dem Weltmeistertitel zu begnügen. Erreicht hat sie den Titel nach eigenem Bekunden vor allem deshalb nicht, weil es für sie neben Schach eben auch andere Dinge im Leben geben würde. Bei wenigstens 500 Männern, die sie kennen würde, gäbe es im Leben eben nur Schach und sonst nichts. Richtig überzeugen vermag diese Ausage allerdings nicht, denn Judith Polgar behauptet - ebenfalls in demselbem Interview - Frauen könnten genauso fanatisch in ihrer Arbeit aufgehen.
Der einstmals beste aller männlichen Schachspieler, Garry Kasparow, soll über Judith Polgar folgendes gesagt haben: "Es ist unvermeidlich, dass die Natur gegen sie arbeitet, und das sehr bald. Sie besitzt phantastisches Schachtalent, aber sie ist trotz allem eine Frau. Das liegt alles an den Unvollkommenheiten der weiblichen Psyche. Keine Frau kann einen längeren Kampf durchhalten. Sie kämpft gegen die Gewohnheit von Jahrhunderten und Jahrhunderten, seit Anbeginn der Welt." (Zitiert in Alex Dunne, 2010 Chess Oddities, S. 78)
Was genau den Frauen fehlt, bleibt unbeantwortet, weil allgemeine Hinweise auf deren Psyche nicht wirklich überzeugend sind. Noch weniger überzeugend sind die Versuche der Männer, das Frauenschach zu "fördern". Mit Damenligen und Damenturnieren können schachspielende Männer sich zwar Frauen ganz prima vom Leib halten, doch worin genau besteht die Förderung, wenn Frauen nur gegen Frauen antreten? Im Nachbarland Österreich geschah nun der absolute Supergau für jeden Frauenschachreferenten. Die Kärntnerin Eva Moser gewann die Staatsmeisterschaften 2006, und zwar nicht in der Damenkonkurrenz.[6][7]
Der körperliche Faktor beim Schachspiel
Die 20jährige Großmeisterin und U 18-Weltmeisterin Elisabeth Pähtz gab auf die Frage "Warum unterscheidet man Männer und Frauenschach?" die nicht ganz politisch korrekte Antwort:
- "Es ist offensichtlich so, dass Männer nun mal die stärkeren Spieler sind. Der Grund dafür hat meiner Meinung nach verschiedene Ursachen. Zum einen behauptet man ja , dass Männer logischer denken können, was wohl auf den unterschiedlichen Bau des menschlichen Gehirns zurückzuführen ist. Aber auch denke ich, dass Männer sich besser auf eine Sache fixieren können. Wobei bei der Frau ab einem gewissen Alter der Familien-Kinder-Gedanke eine Rolle spielt. Es wird sicher noch viele andere Gründe geben, aber eins kann ich mir an dieser Stelle nicht verkneifen: Wir mögen zwar schlechter spielen, aber dafür kämpfen wir viel mehr. Die Remisquote ist um einiges niedriger." [8]
Elisabeth Pähtz nennt in einem anderen Interview Beispiele, die sich auf dem Brett mit den 64 Feldern nachteilig auswirken könnten:
- "Frauen verlieben sich, Frauen bekommen Kinder, Frauen stillen und schlafen dann schlecht. Frauen sind weniger analytisch, sie geraten bei Zeitnot in Hektik und verlieren eher den Faden."
Soll heißen: Frauen können sich weniger gut und schon gar nicht ein Schachleben lang einzig auf das Brettspiel konzentrieren. Deshalb setzt sich Pähtz als Aktivensprecherin im deutschen Verband für die strikte Trennung der Geschlechter ein. "In der Leichtathletik gibt es ja auch getrennte Wertungen über 100 Meter. Frauen und Männer kann man einfach nicht vergleichen", betonte die zweifache Jugendweltmeisterin. Die Dominanz der Männer, die nicht zuletzt gesellschaftliche Ursachen hat, will sie nicht als Begründung akzeptieren. Sie hat einen anderen Erklärungsansatz: Auch im Schach seien Männer - wie in den meisten Sportarten - körperlich (sic!) im Vorteil und würden allein schon deshalb stärkere Leistungen bringen. "Lange Spiele sind für sie weniger ein Problem. Doch ich fange nach fünf Stunden an, Gespenster zu sehen. Dann geht es rapide bergab", verdeutlicht Pähtz, warum die besten Frauen nicht die Spielstärke der Männer erreichen.[9]
Frauenförderung beim Schach
In den letzten Jahrzehnten wurde verhältnismäßig viel Geld für die Förderung des Frauenschachs ausgegeben. Ihr Anteil am Gesamttopf liegt bei 41% bei einem Mitgliederanteil von unter 5%. Weder in der Breite noch in der Spitze konnten spürbare Ergebnisse erreicht werden.
Die einzige deutsche Spielerin, die jemals nennenswert eine Elozahl über 2300 erreichte, ist Elisabeth Pähtz. Doch entstammt diese aus einer schachbegeisterten Familie, der Vater ist Großmeister. Sie hätte ihren Weg auch ohne bevorzugte Unterstützung gemacht.
Die nichtschachspielende Bevölkerung reagiert zumeist mit Verwunderung auf den Artenschutz der Frauen. Reichen Jahrzehnte des Misserfolges nicht aus, um hier zu einer grundlegend anderen Einschätzung zu kommen?[10]
Einzelnachweise
- ↑ Wikipedia: Internationaler Meister
- ↑ Wikipedia: Großmeister (Schach)
- ↑ Wikipedia: Super-Großmeister
- ↑ WGvdL-Forum: Damenschach, Stolzer Papa am 6. November 2009 - 12:28 Uhr
- ↑ Wikipedia: Gehirne von Männern und Frauen
- ↑ Heiko Seiling: Wozu braucht Mann Frauenschach?
- ↑ "Immer noch anormal", TAZ am 30. April 2002 (Hartmut Metz im Interview mit Judith Polgar)
- ↑ Interview mit Elisabeth Pähtz
- ↑ Pähtz will Gleichberechtigung auf dem Brett, Sächsische Zeitung am 21. November 2008
- ↑ Der Deutsche Schachbund im Dialog: Interview mit Michael S. Langer, Teil 2, 19. Mai 2011
Weblinks
- 1. Rang ergab am 4.12.2010 die Google-Suche nach "Frauen beim Schach" für diesen Artikel.
- 5. Rang ergab am 10.12.2011 die Google-Suche nach "Frauen beim Schach" für diesen Artikel.
-
Helau und Hurra – das Gender-Schach ist da!
Siehe auch
| | Dieser Artikel wurde am 2. Dezember 2010 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen. |
