Gleichschaltung
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Gleichschaltung ist ein Begriff, welcher der nationalsozialistischen Terminologie entstammt. Das Wort entstand 1933, als der Prozess der Vereinheitlichung des gesamten gesellschaftlichen und politischen Lebens - also des öffentlichen und privaten Lebens - in der Machteroberungsphase in Deutschland eingeleitet wurde. Ziel war es, bis 1934 den als Zerrissenheit verstandenen Pluralismus in Staat und Gesellschaft aufzuheben.
Mit der Gleichschaltung strebte man an, die Aktivitäten des Volkes in großen gemeinsamen Organisationen zusammenzufassen, die zugleich dem nationalsozialistischen Verständnis des Volkswillens entsprechen sollten.
Die Gleichschaltung bedeutete praktisch die Eingliederung von Organisationen in bestehende NS-Organisationen, beziehungsweise die Überführung in eine neu geschaffene NS-Organisation. Die Gleichschaltung erfolgte entweder auf Anweisung oder in vorauseilendem Gehorsam durch sogenannte Selbstgleichschaltung. Andere Verbände und Organisationen reagierten auf den Druck mit der Auflösung und Beendigung ihrer Tätigkeit. Allgemein betrachtet waren damit die Einschränkung oder den Verlust der individuellen Persönlichkeit beziehungsweise der Unabhängigkeit, Mündigkeit und Freiheit eines Menschen durch Regeln und Gesetze sowie sonstige Maßnahmen der Gleichsetzung und Vereinheitlichung der Massen verbunden.
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Entstehung
Als Datum der erstmaligen offiziellen Verwendung kann der 31. März 1933 gesehen werden, als das Erste Gleichschaltungsgesetz in Kraft trat, mit dem die deutschen Länder ihre politische Souveränität verloren. Der Begriff wurde durch den Reichsjustizminister Franz Gürtner geprägt und verwendet. Mit diesem Gesetz wurde der Begriff zu einem Synonym für die Maßnahmen der nationalsozialistischen Führung gegen Opposition, andere Parteien, Vereine usw. Gleichschaltung bezeichnet damit nicht nur die administrativen Maßnahmen, sondern steht auch für den damit verbundenen Terror.
Russland
Auch im kommunistischen Russland strebte man an, die Aktivitäten des Volkes in großen gemeinsamen Organisationen zusammenzufassen, die zugleich dem sowjetsozialistischen Verständnis des Volkswillens entsprechen sollten. Im Unterschied zur Weimarer Republik gab es im zaristischen Russland keine bürgerlichen Vereine, Parteien und sonstige Organistationen, die "gleichgeschaltet" werden mussten. Auch in der Sowjetunion (vgl. EUdSSR) beschränkte die Partei, dort die KPdSU, die individuelle Persönlichkeit, die Unabhängigkeit, Mündigkeit und Freiheit der Menschen durch Regeln und Gesetze sowie sonstige Maßnahmen der Gleichsetzung und Vereinheitlichung der Massen.
Bundesrepublik Deutschland
Im Nachkriegsdeutschland entstand unter dem Einwirken der 1968er-Generation eine linke Diskurshoheit, die zu einer Gesinnungsrepublik führten. Eva Herman wagte es am 9. Oktober 2007 bei Johannes Baptist Kerner im ZDF von einer "gleichgeschalteten Presse" zu sprechen.[1] Dem voraus ging, dass Alice Schwarzer ihre Ansichten zwischen "Steinzeitkeule und Mutterkreuz" verortete.[2] Damit hatte sie als Erste einen Bezug zwischen Hermans Thesen und dem Nationalsozialismus hergestellt. (Vgl. Nazikeule) Die Autorin Thea Dorn machte aus dem Eva-Prinzip das "Eva-Braun-Prinzip".[3] Bundesdeutsche Medien stellten Eva Herman fortan als eine verkappte NS-Sympathisantin dar.
Nazometer
Harald Schmidt antwortete darauf in der Sendung Schmidt & Pocher mit einer gekonnten Parodie, in dem er ein "Nazometer" - eine Art Kerner-Herman-Testgerät - vorstellte, das Formulierungen auf Nazi-Ideologie überprüft und das Verstöße gegen die Political correctness mit einem Warnton anzeigt.[4][5] Jens Jessen schrieb darüber in Der Zeit:
- "Irgendjemand rühmt die Autobahnen - und das Nazometer schrillt Alarm. Oder jemand sagt: 'Die Nazis waren politisch die Hölle, aber ihre Uniformen irgendwie geil' - und das Nazometer schweigt. Denn auch das beste Faschismus-Suchgerät kann nicht besser sein als die Gesellschaft, in der es konstruiert wurde.
- Warum also die Aufregung über die Erfindung des Kabarettistenpaars? Weil es unsere vorbildliche antifaschistische Aufmerksamkeit verhöhnt? Weil Oliver Pocher sich mit geschmacklos-anzüglicher Rede von Gasherden und Duschen an die Empfindlichkeitsschwelle des fiktiven Gerätes heranzutasten versuchte? Nein - es ist die Heuchelei, die sich getroffen fühlt und die darin besteht, dass die Empörung über nazihafte Entgleisungen im Allgemeinen nicht nur spontan aufflammt, sondern auch gesucht, eigens inszeniert und schaudernd genossen wird.
- Es gibt eine Medienindustrie, die ihr Geschäft mit Hitler-Bildern und Eva-Braun-Geschichten macht, und es gibt eine Medienindustrie, die sich von der Aufregung darüber ernährt." [6]
Einzelnachweise
- ↑ Stefan Niggemeier: Eva Herman über die Gleichschaltung im Dritten Reich, 10. Oktober 2007
- ↑ "Panik im Patriarchat", Spiegel am 29. Mai 2006, S. 94
- ↑ "Das Eva-Braun-Prinzip", TAZ am 29. November 2006
- ↑
Nazometer - Schmidt und Pocher, ARD (25. Oktober 2007)
Schmidt und Pocher: Nazometer; Schmidt und Pocher: Wie lustig ist das "Nazometer"?, Die Welt am 15. November 2007 - ↑ Das Nazometer analysiert Ihre Wörter auf rechtsradikales Gedankengut
- ↑ Harald Schmidt und sein "Nazometer", Die Zeit am 26. November 2007
